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Das Buch der Sprüche

Thema: Gottes Ordnungen verstehen und leben

Die Furcht des HERRN ist der Anfang der Erkenntnis. Weisheit und Zucht verachten nur die Toren.

Sprüche 1,7

Die sieben Hauptteile des Sprüchebuches

Die sieben Hauptteile nach dem masoretischen Text (MT, jüdische Überlieferung)
I
1,1–9,18
»Sprüche Salomos, des Sohnes Da-vids, des Königs von Israel ...«
II
10,1–22,16
»Sprüche Salomos«
III
22,17–24,22
»Neige dein Ohr und höre die Worte von Weisen ...«
IV
24,23–34
»Auch diese sind von den Wei-sen«
V
25,1–29,27
»Auch dies sind Sprüche Salomos, die die Männer Hiskias, des Königs von Juda, zusammengetragen haben«
VI
30,1–32
»Worte Agurs, des Sohnes des Jake, aus Massa«
VII
31,1–31
»Worte Lemuels, des Königs von Massa, mit denen seine Mutter ihn unterwies«

Hauptteil I bildet inhaltlich die theologische Grundlage der Sprücheweisheit. Die anderen Hauptteile bauen mit eher konkret und praktisch ausgerichteten Sprüchesammlungen darauf auf. Das Gedicht über die tüchtige Frau in 31,10–31 ist gleichzeitig eine zusammenfassende Rückschau auf das, was Weisheit ausmacht, und rundet somit die Aussage des Buches ab.

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Autorschaft, Datierung, Literarkritik

Das Sprüchebuch ist eines der wenigen Bücher im Alten Testament, dessen schrittweise Entstehung an Aussagen am Text selbst festgemacht werden kann. Redaktionelle Hinweise finden sich im Alten Testament nur in Jer 51,64, Psalm 72,20 und Spr 25,1.

Die Buchteile Spr 10–22 und 25–29 stammen gemäß der Überschriften in Spr 10,1 und 25,1 von Salomo (Regierungszeit ca. 971–931 v. Chr.). Bei Sprüche 25–29 finden wir zusätzlich den Hinweis, dass die Sprüche von den „Männern Hiskias, des Königs von Juda“, zusammengestellt worden sind (Regierungszeit 715–686 v. Chr.). In Salomos Regierungszeit öffnete sich der israelitische Königshof für internationale Beziehungen – wie z. B. die ausländischen Namen von Beamten Salomos zeigen. Auf diesem Weg ist wahrscheinlich auch die altvorderorientalische Weisheit nach Israel gekommen und hat dort ihre spezifische biblische Ausprägung erhalten. Die Zeit Hiskias nach der Abwendung der drohenden Zerstörung Jerusalems durch die Assyrer (701 v. Chr.) ist außerbiblisch als eine Blütezeit Jerusalems bestätigt.

Weitere im Text namentlich genannte Autoren sind Agur (30,1) und Lemuel (31,1) bzw. dessen Mutter. Diese Personen sind uns sonst nicht bekannt. Die Spruchsammlungen in Kap. 22–24 stammen von anonymen „Weisen“ (22,17). Für die „dreißig Sprüche“ war möglicherweise die ägyptische „Lehre des Amen-em-ope“ eine Vorlage bzw. ein Anknüpfungspunkt (um 1100 v. Chr.), s. u.

Die Überschrift in Spr 1,1 „Dies sind die Sprüche Salomos, des Sohnes Davids“ kann dabei unterschiedlich verstanden werden:

a) Es handelt sich um die Überschrift für den ersten Hauptteil Spr 1–9. Damit hätte jeder Hauptteil des Buches seine eigene Überschrift. Dagegen spricht, dass die Überschrift besonders ausführlich ist. Am Buchanfang erwartet man eine Überschrift, die für das gesamte Buch gilt.

b) Es handelt sich um die Überschrift für das Buch insgesamt. Dem entspricht, dass die Überschrift besonders ausführlich gestaltet ist. Doch ergeben sich daraus zwei Folgefragen:

  • Wie kann das gesamte Buch als „Sprüche Salomos“ bezeichnet werden, wenn einige Teile ausdrücklich nicht von Salomo stammen?
  • Aus wessen Feder stammt der erste Buchteil Spr 1–9?

Die erste Frage lässt sich mit dem damaligen Verständnis von Autorschaft als „Autorität“ beantworten: Salomo ist der „Vater“ der israelitischen Weisheit, größere Teile des Buches gehen direkt auf ihn zurück, aber auch Beiträge von anderen Autoren finden unter der “Schirmherrschaft” Salomos ihren Platz.

Was die zweite Frage betrifft, so würde man aus traditionell-konservativer Ansicht Salomo als Autor annehmen. Wer für die Vorstellung einer anonymen kanonischen Endredaktion biblischer Bücher offen ist (im Psalter sind die späten und die redaktionell platzierten Psalmen ohne Titel), kann Spr 1–9 auch der anonymen Endgestaltung zuordnen. D. h. die überlieferten Sprüchesammlungen wären vom kanonischen Endredaktor zusammengestellt und mit einer Einleitung versehen worden, die die Sprücheweisheit auf ein theologisches Fundament stellt.

Wann das Sprüchebuch seine abschließende Form erhielt, ist nicht mehr sicher festzumachen. Drei Abgrenzungen sind jedoch möglich:

  1. Im Buch Sirach (ca. 180 v. Chr.) sind Weisheit und Schriftgelehrtheit miteinander verschmolzen zu einem Phänomen, das „Toraweisheit“ genannt wird. Quelle der Weisheit ist hierbei nicht mehr nur die Beobachtung, sondern auch die Heilige Schrift. Dieses Phänomen ist im Sprüchebuch nicht belegt.
  2. In den nachexilischen Psalmen und auch in der Chronik ist eine Vernetzung von biblischen Themen zu beobachten, die im Sprüchebuch ebenfalls (noch) nicht vorliegt.
  3. Zwischen Spr 1–9 und der nachfolgenden Sprücheweisheit bestehen keine theologischen Unterschiede.

Es spricht aus religionsgeschichtlichen / theologiegeschichtlichen Argumenten nichts dagegen, dass das Buch von den „Männern Hiskias“ (Spr 25,1) auch insgesamt abgeschlossen wurde. Aber auch ein späteres Datum, z. B. in früher nachexilischer Zeit, ist möglich.

In der literarkritischen Richtung wurde die These entwickelt, dass die ursprünglich rein moralisch ausgerichteten Weisheitssprüche erst später in religiöser Hinsicht überarbeitet wurden. Katharine Dell hat jedoch überzeugend aufgezeigt, dass die Verweise auf JHWH und das Reden von der „Furcht des HERRN“ für den Text konstitutiv sind und zum ursprünglichen Text gehören müssen.

Sprüche

Bibelkunde-Skript

3.3.4 Sprüche

Aufbau und Botschaft (wissenschaftlich)

1. Hauptteil: Theologische Grundlegung der Sprücheweisheit (Spr 1–9)

Die zehn "Lehrreden" in Sprüche 1–9 (R. Whybray)
1,1–7
Einleitung
1,8–19
Lehrrede 1
1,20–33
Rede der Weisheit
2,1–22
Lehrrede 2
3,1–12
Lehrrede 3
3,13–20
Gedicht über Weisheit
3,21–35
Lehrrede 4
4,1–9
Lehrrede 5
4,10–19
Lehrrede 6
4,20–27
Lehrrede 7
5,1–23
Lehrrede 8
6,1–19
Verschiedenes
6,20–35
Lehrrede 9
7,1–27
Lehrrede 10
8,1–36
Rede der Weisheit
9,1–18
Gedicht über Weisheit und Torheit
Die zweite Lehrrede als „Lehrprogramm“ (A. Meinhold)‏
2,1–4
Einleitung: Aufforderung zum Streben nach Weisheit
2,5–8
„dann wirst du verstehen …“
Weisheit führt zum rechten Gottesverhältnis
--> Lehrrede 3
2,9–11
„dann wirst du verstehen ...“
Weisheit führt zum rechten mitmenschlichen Verhalten
--> Lehrrede 4
2,12–15
„um dich zu retten vor ...“
Weisheit schützt vor der Art der frevlerischen Männer
--> Lehrreden 1, 6, 7
2,16–19
„um dich zu retten vor ...“
Weisheit schützt vor der Art der verführerischen Frau
--> Lehrreden 8, 9, 10
2,20–22
Abschließender Appell und Fazit
Die Botschaft von Sprüche 1–9 als theologische Grundlegung der Sprücheweisheit:​

„Die göttliche Weltordnung beruht auf Weisheit. Weise zu sein bedeutet, die göttlichen Ordnungen zu verstehen und nach ihnen zu leben. Weisheit beginnt damit, den HERRN zu fürchten. Weisheit zeigt sich vor allem in einem Lebenswandel, der den Ordnungen Gottes entspricht. Letztlich entscheiden Weisheit oder Torheit, ob das Leben in der Welt und vor Gott gelingt oder ob es scheitert.“ (Steinberg, Ketuvim)

2. Hauptteil: Sprüche Salomos (Spr 10,1–22,16)

Dieser Abschnitt umfasst 375 einzelne Sprüche. Die Anzahl der Sprüche entspricht dem Zahlenwert des Namens Salomo (schelomoh, sch = 300, l = 30, m = 40, h = 5).

„Proverbial Clusters“ in Sprüche 10–22

Lassen sich die einzelnen Sprüche auch in Gruppen zusammenfassen? –> Idee der „Proverbial Clusters“ nach Knut M. Heim, Like Grapes of Gold Set in Silver: An Interpretation of Proverbial Clusters in Proverbs 10:1–22:16 (Berlin u. a.: de Gruyter, 2001).

Beispiel Spr 14,19–22:

                   19 Die Bösen müssen sich niederbeugen vor den Guten
                   und die Gottlosen an den Türen des Gerechten.

                                      20 Selbst seinem Nächsten ist der Arme verhasst,
                                      aber die Freunde des Reichen sind zahlreich.

                                      21 Wer seinem Nächsten Verachtung zeigt, sündigt;
                                      aber wohl dem, der sich über die Elenden erbarmt!

                   22 Gehen nicht irre, die Böses schmieden?
                   Aber Gnade und Treue erfahren, die Gutes schmieden.

Die Beobachtung von V. 20 ist nachvollziehbar, es fehlt aber noch eine Wertung. Das moralisch richtige Verhalten wird deshalb in V. 21 beschrieben. Die Verse 19 und 22 geben den Aussagen einen grundsätzlichen moralischen Rahmen.

Die Abgrenzung der Cluster nach Heim, leicht verändert (teilw. nach Meinhold; teilw. Steinberg):
10, 1–5
10, 6–11
10, 12–18
10, 19–21
10, 22–30
10, 31–32
11, 1
11, 2–14
11, 15–21
11, 22–31
12, 1–7
12, 8–12
12, 13–25
12, 24–28
13, 1–11
13, 12–19
13, 20–25
14, 1–3
14, 4–9
14, 10–14
14, 15–18
14, 19–22
14, 23–27
14, 28–35
15, 1–4
15, 5–12
15, 13–17
15, 18–19
15, 20–24
15, 25–27
15, 28–33
16, 1–9
16, 10–15
16, 16–30
16, 31–33
17, 1–9
17, 10–16
17, 17–20
17, 21–25
17, 26–28
18, 1–9
18, 10–15
18, 16–19
18, 20–24
19, 1–10
19, 11–20 4
20, 5–13
20, 14–19
20, 20–21 4
21, 5–8
21, 9–19
21, 20–29
21, 30–31
22, 1–5
22, 6–16
Aussage des zweiten Hauptteils

Das grundlegende gesellschaftliche Prinzip ist der Zusammen­hang zwischen Tun und Ergehen. Wer Gutes tut, dem wird es gut ergehen, wer Schlechtes tut, dem wird es schlecht ergehen. Dieses Prinzip liegt im Willen Gottes begründet und wird auch von ihm selbst durchgesetzt. Das Prinzip wird im Hauptteil anhand von vielen konkreten Zusammenhängen ausgeführt. Schwerpunkte bilden dabei der Umgang mit Reichtum und Armut, der rechte Umgang mit Worten sowie das Thema Erziehung.

Es geht bei den Sprüchen allerdings nicht allein darum, eine Botschaft auszusagen. Jürg Luchsinger vergleicht die Sprüche vielmehr mit der Werbesprache.[1] Die Sprüche haben das Anliegen, den Leser mit allen Mitteln der rhetorischen Kunst für eine bestimmte Sicht der Dinge zu werben.

H. Stöckl (1997) befasst sich mit der persuasiven Wirkung der Werbesprache. Er stellt sieben Teilfunktionen der Werbesprache zusammen. Nach Luchsinger finden sich diese auch in der Sprücheweisheit wieder:

    1. Aufmerksamkeit wecken,
    2. verständlich sein,
    3. Akzeptanz erzeugen,
    4. leicht zu merken sein,
    5. die Imagination aktivieren,
    6. von der persuasiven Absicht ablenken (z. B. durch Humor Distanz schaffen, damit der Leser nicht das Gefühl hat, bedrängt oder manipuliert zu werden),
    7. attraktiv sein.

3. Hauptteil: Dreißig Sprüche von Weisen (Spr 22,17–24,22)

Der dritte Hauptteil und die „Lehre des Amenemope“

Die „Weisheit“ war ein im ganzen Alten Vorderen Orient verbreitetes Phänomen. Das Sprüchebuch zeigt in mancher Hinsicht Ähnlichkeiten zu außerbiblischen Weisheitstexten. Besonders auffällig ist die Beziehung des dritten Hauptteils, Sprüche 22,17–24,22, zur ägyptischen „Lehre des Amenemope“ (um 1100 v. Chr.). So besteht die Lehre des Amenemope aus 30 Kapiteln und der dritte Hauptteil des Sprüchebuches aus 30 Sprüchen. Inhalte und Formulierungen einzelner Sprüche stimmen teilweise in verblüffender Weise überein:

Sprüche 22,17–24,22

Lehre des Amenemope

dreißig Sprüche „von Weisen“

dreißig Kapitel

Spr 22,22:
Beraube nicht den Geringen, weil er gering ist,
und zertritt nicht den Elenden im Tor!

Tafel IV, Z. 4+5:
Hüte dich, einen Elenden zu berauben,
gegen einen Schwachen mächtig zu sein.

Spr 23,10:
Verrücke nicht die uralte Grenze,
und in die Felder der Waisen dringe nicht ein!

Tafel VII, Z. 12+15:
Verschiebe nicht den Stein auf den Grenzen des Fruchtlandes,
und greife nicht die Grenzen einer Witwe an.

Spr 23,4+5:
Mühe dich nicht ab, es zu Reichtum zu bringen, da verzichte auf deine Klugheit! Wenn du deine Augen darauf richtest, ist er nicht mehr da. Denn plötzlich macht er sich Flügel wie ein Adler und fliegt zum Himmel.

Tafel IX, Z. 14+19; Tafel X, Z. 4+5:
Strebe nicht danach, Überfluss zu suchen; Sieh seinen Platz, er ist nicht da. … Sie werden sich Flügel wie Gänse machen: sie sind zum Himmel geflogen.

Die Beeinflussung kam möglicherweise dadurch zustande, dass ein ägyptischer Beamter, der an den salomonischen Königshof berufen wurde, dort eine Sprüchesammlung „frei nach Amenemope“ verfasste.

Altvorderorientalische Weisheit wurde allerdings nicht unverändert in die Bibel übernommen. Den neuen Rahmen der biblischen Weisheit bildet die „Furcht des HERRN“, d. h. die Glaubensbeziehung zu Jhwh, der Respekt und Gehorsam gegenüber Jhwh. Weisheitssätze, die sich nicht in diesen neuen Rahmen einordnen ließen, wurden entfernt. So sind z. B. alle Bezüge zu ägyptischen Göttern oder zum Schicksal, die die Lehre des Amenemope enthalten, im Sprüchebuch nicht wiedergegeben.

Die dreißig Sprüche lassen sich in drei Gruppen zu je zehn Sprüchen zusammenfassen, innerhalb derer konzentrische Strukturen sichtbar werden (Steinberg):

–> Wer als Beamter in hohe Kreise aufsteigt, soll bei der Gerechtigkeit bleiben, das Streben nach Reichtum nicht zum höchsten Ziel machen und Vorsicht walten lassen, denn im Kreise der Reichen und Mächtigen begibt er sich auf glattes Parkett.

–> Weisheit bedeutet, auf dem geraden Weg zu gehen und einen lasterhaften Lebensstil zu vermeiden. Weisheit soll innerhalb der Familie vermittelt werden und wird zum Segen für die Familie.

–> Weisheit bedeutet, Gott und den König zu ehren und das Verhalten gegenüber Freund und Feind an dem Wissen auszurichten, dass Gott in jeder Hinsicht Gerechtigkeit herstellen wird und dies auch von den Menschen erwartet. Nach dieser Weisheit zu leben ist wie Honig für die Seele.

4. Hauptteil: Weitere Sprüche von Weisen (Spr 24,23–34)

Die Verse mahnen zum rechten Verhalten vor Gericht und warnen vor den Folgen der Faulheit.

5. Hauptteil: Weitere Sprüche Salomos, unter Hiskia zusammengestellt (Spr 25–29)

Die Kapitel 25–27 enthalten verschiedene Betrachtungen und Ermahnungen zur weisheitlichen Lebensgestaltung. Die Kapitel 28–29 sind eine Mahnung an die Mächtigen, nicht nach Habgier zu streben und nicht die Geringen zu unterdrücken, sondern im Gegensatz die Tora zu befolgen, Gott zu fürchten und in Redlichkeit, Weisheit und Gerechtigkeit zu regieren.

6. Hauptteil: Sprüche des Agur (Spr 30)

1–3          Der menschliche Verstand reicht nicht aus, um Gott zu erkennen.

4             Sechs Fragen um den Respekt vor den Geheimnissen Gottes

5–6         Auf Gottes Worte ist Verlass. Füge seinen Worten nichts hinzu!

7–9          Zwei Bitten: Zurückhaltung mit Worten und ausgeglichene Lebensverhältnisse

10           Sei nicht überheblich gegenüber dem Kleinen, am Ende ziehst du den Kürzeren!

11–14       Vier Merkmale einer überheblichen Generation

15a          Zwei Blutsauger (Brücke: Gier in 14 zu 15)‏

 

15b–16     Vier, die unersättlich sind (Brücke: die Zahlenfolge 2–3–4 in V. 15)‏

17           Der Überhebliche und sein Ende

18–19       Vier wunderbare und unbegreifliche Wege (Brücke: Adler in 17b und 19a)‏

20           Der unrechte Weg der ehebrecherischen Frau (Brücke: Weg in 19 u. 20)‏

21–23      Vier Kleine, die unrechtmäßig groß werden (Brücke: Unrecht in 20 zu 21–23)‏

24–28      Vier Kleine, die Größe haben

29–31      Vier Große, die stattlich sind

32–33      Drei Pressvorgänge und die Mahnung zur Zurückhaltung mit Worten

Agur fordert zu einem bescheidenen, ausgeglichenen Lebenswandel auf, in dem man sich mit Worten zurückhält. Die Ordnung von »klein« und »groß« in der Gesellschaft soll gewahrt werden. Der »Kleine« soll den »Großen« respektvoll behandeln, umgekehrt soll auch der »Große« dem »Kleinen« Respekt erweisen.

7. Hauptteil: Sprüche des Lemuel, mit dem Gedicht über die tüchtige Frau (Spr 31)

Beobachtungen zur Strukturierung (Schlüsselwörter)

31, 1–9

1. negativ:                                        2. positiv:

Wein, Rauschtrank (4)                Rauschtrank, Wein (6)‏

trinken, vergessen (5a)              trinken, vergessen (7)‏

Recht der Elenden (5b)              Recht der Elenden (8–9)‏

31, 1–31

3                Gib deine Tüchtigkeit nicht den Frauen hin.

4–5                           Trinke keinen Wein, sonst vergisst du
                                 das Recht des Elenden!

6–9                           Der Arme möge Wein trinken und vergessen
                                 du schütze das Recht des Elenden!

10–31         Eine tüchtige Frau  – weit über Korallen geht ihr Wert.

Aussage des siebten Hauptteils

V. 1–9: Der König wird ermahnt, sein Leben nicht von Liebesabenteuern und Trinkgelagen bestimmen zu lassen, sondern sich seiner Aufgabe gemäß zu verhalten und für die gerechte Sache derer einzutreten, die sich nicht selbst helfen können.

V. 10–31: Ein Lob auf die tüchtige Frau und gleichzeitig eine zusammenfassende Rückschau auf das, was Weisheit ausmacht (gelingende Lebensgestaltung). Durch seinen motivisch-thematischen Rückgriff auf Aussagen von Kap. 1–9 (Frau Weisheit – weise Frau) rundet das Gedicht die Botschaft des Buches ab.

Bible-Zoom (c) Julius Steinberg | zuletzt aktualisiert im September 2021